Einführung - BACH Bogen

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Einführung

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Der Rundbogen war von jeher ein Symbol der Streichinstrumente. Jedoch bleibt die faszinierende Klangwelt des mehrstimmigen Spiels noch zu erforschen und, wie es durch überlieferte Zeugnisse nahegelegt wird, auch wieder zu entdecken.

Die Praxis des polyphonen Spiels mit dem Streichbogen ist insbesondere belegt durch Alessandro Striggio (1540-92), Virtuose der lira da braccio zur Zeit der italienischen Renaissance; durch den Organisten, Geiger und Gambisten Nikolaus Bruhns (1665-97); durch Johann Paul von Westhoff (1656-1705), Geiger und Zeitgenosse von J. S. Bach, der eine Spezialnotation für das polyphone Spiel entwickelte; und, last but not least, durch Niccolò Paganini (1782-1840), dessen polyphone Waghalsigkeit in einigen seiner Notationen für Violine und Viola durch Dr. Philippe Borer studiert und dokumentiert worden ist.

Der BACH.Bogen ist für das mehrstimmige Spiel konzipiert. Die Neugestaltung des Rundbogens orientiert sich an der menschlichen Anatomie und an der Geometrie der Streichinstrumente. Hier eine optimale Entsprechung zu finden, im Dienste einer virtuosen Handhabung, bewirkt einerseits eine Ausarbeitung bis ins kleinste Detail und andererseits eine Integration von sehr unterschiedlichen Fachdisziplinen.

Seit Albert Schweitzers Buch über J. S. Bach (1905) wurde die Frage des Rundbogens lebhaft diskutiert. Seine ursprünglichen Beweggründe, kenntnisreichen Anregungen und unbeirrten Appelle, noch aus dem Jahr 1950! (Bach-Gedenkschrift), stützen sich auf eigene Untersuchungen mit dem Rundbogen und sind nach wie vor unmittelbar verständlich.

Trotzdem wurden seine Theorien oft mißverstanden und die Auseinandersetzung von Experten verschiedener Lager hält immer noch an. Ein Gegengewicht zu den oft vorschnellen Ablehnungen einiger Musikologen (insbesondere  David Boyden) bilden zwei Texte, die auf einer soliden Basis klärend dokumentieren und argumentieren. Es handelt sich um das Buch Rudolf Gählers, Der Rundbogen für Violine - ein Phantom?, sowie um Michael Bachs Artikel über die Suiten für Violoncello von J. S. Bach, veröffentlicht in der Zeitschrift Das Orchester. Beide, Rudolf Gähler und Michael Bach, können sich auf eine profunde Forschungsarbeit und langjährige Konzerterfahrung verlassen.

In seinem Buch faßt Rudolf Gähler alle wesentlichen im 20. Jhdt. veröffentlichten Texte über den Rundbogen zusammen. Sein Anliegen ist zunächst, die Realisierung der Notationen J. S. Bachs mit dem Rundbogen aufzuzeigen. Seine CD Einspielung der sechs Sonaten und Partiten belegt auf beeindruckende Weise seine Meisterschaft des polyphonen Spiels und stellt einen verblüffenden Beweis dieser These dar.

Michael Bach hingegen schlägt eine neue interpretatorische Annäherung an die sechs Suiten für Violoncello vor, indem er in erster Linie die Gestaltungsvielfalt, die der Rundbogen bietet, hervorhebt. Der von ihm eingenommene  Standpunkt, jenseits aller Dogmatik, verlangt nach einem Verstehen und Benutzen des erstaunlichen Potentials des Rundbogens, der dem Interpreten die freie Wahl läßt, Akkorde als Zusammenklänge zu spielen oder sie zu arpeggieren. Selbst das Arpeggieren kann mit beispielloser Variationsbreite ausgeführt werden, die weit die Möglichkeiten des konventionellen, konkaven Bogens übertrifft. Es können einem Ton sukzessiv weitere Töne hinzugefügt werden, ohne die vorherigen verlassen zu müssen. Darüber hinaus erlaubt der Rundbogen, durch die flexibel zu steuernde Haarspannung, bislang ungekannte Klangfarben - einstimmig bis vierstimmig - hervorzuzaubern.

 
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